Durchtrennen der Nabelschnur - Blutgasanalyse nach der Geburt
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Blutgasanalyse nach der Geburt – Bedeutung von pH-Wert und Base Excess

Die Blutgasanalyse nach der Geburt ist ein zentraler Baustein, um den Zustand eines Neugeborenen objektiv zu beurteilen. Gerade wenn der Verdacht auf Sauerstoffmangel besteht, reichen APGAR-Werte bei der Geburt allein nicht aus. Entscheidend sind dann vor allem der arterielle pH-Wert, der venöse pH-Wert, der Base Excess und häufig auch der Laktatwert. Diese Werte zeigen, ob das Kind unter der Geburt ausreichend mit Sauerstoff versorgt war oder ob bereits eine relevante Übersäuerung vorliegt.

Wichtig ist dabei eine präzise Einordnung: Nach dem geburtshilflichen Standard soll bei jedem Neugeborenen in eine Blutprobe aus Nabelarterie und Nabelvene zur Blutgasanalyse mit Messung von pH und Basenüberschuss oder Basendefizit (Base Excess, BE) entnommen werden. Gerade in kritischen Geburtssituationen ist die Blutgasanalyse medizinisch und später auch rechtlich von ganz erheblicher Bedeutung.

Warum ist die Blutgasanalyse nach der Geburt so wichtig?

Die Blutgasanalyse aus dem Nabelschnurblut ist die objektivste Möglichkeit, den Stoffwechselzustand des Kindes im Zeitpunkt der Geburt zu beurteilen. Sie hilft dabei, eine akute Sauerstoffunterversorgung zu bestätigen oder auszuschließen. Das ist besonders wichtig, wenn das CTG auffällig war, die Geburt verzögert beendet wurde, eine Reanimation erforderlich war oder das Kind klinisch schlecht startet.

Gerade im Geburtsschadensrecht spielt diese Untersuchung eine große Rolle. Denn typische Fehler im Kreißsaal sind verspätete Reaktionen, Fehler bei der fetalen Überwachung und Befunderhebungsfehler, also das Unterlassen medizinisch gebotener Diagnostik. Fehlen dann aussagekräftige Werte aus der Blutgasanalyse, erschwert das nicht nur die medizinische Einordnung, sondern auch die spätere rechtliche Aufarbeitung.

Was zeigen pH-Wert, Base Excess und Laktat?

Der arterielle pH-Wert

Der arterielle pH-Wert aus der Nabelarterie ist besonders wichtig, weil er den Zustand des Kindes unmittelbar vor der Geburt am besten abbildet. Arterielles Nabelschnurblut repräsentiert den kindlichen Stoffwechsel genauer als venöses Blut. Deshalb steht in der Praxis meist der arterielle pH-Wert im Mittelpunkt, wenn geprüft werden soll, ob eine intrapartale Hypoxie, also ein Sauerstoffmangel unter der Geburt, vorgelegen hat.

Ist der pH-Wert erniedrigt, spricht das für eine Azidose, also eine Übersäuerung. In der S3-Leitlinie „Vaginale Geburt am Termin“ wird eine schwere metabolische Azidose unter anderem mit pH < 7,0 beschrieben.

Der venöse pH-Wert

Auch der venöse pH-Wert ist relevant. Er spiegelt stärker die Situation auf der Plazentaseite wider und hilft zusammen mit dem arteriellen Wert dabei, die Proben zu plausibilisieren und den Verlauf besser zu verstehen. Beide Werte zusammen sind deshalb medizinisch wertvoll. Die Leitlinie empfiehlt bei schlechtem Zustand des Neugeborenen ausdrücklich die Entnahme aus Nabelarterie und Nabelvene.

Base Excess / Basenüberschuss / Basendefizit

Der Base Excess zeigt, wie stark eine metabolische Übersäuerung ausgeprägt ist. Er ist deshalb so wichtig, weil er nicht nur eine kurzfristige Atemproblematik, sondern vor allem die metabolische Belastung des Kindes erfasst.

Vereinfacht gesagt: Je negativer der Base Excess ist, desto deutlicher spricht das für eine relevante Stoffwechselentgleisung unter Sauerstoffmangel. Gerade in Kombination mit einem erniedrigten arteriellen pH-Wert ist das ein ernstzunehmender Hinweis auf eine Belastung des Kindes unter der Geburt.

Der Laktatwert

Der Laktatwert ergänzt die Beurteilung sehr sinnvoll. Laktat entsteht vermehrt, wenn Gewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und in den anaeroben Stoffwechsel wechselt. Genau deshalb ist Laktat ein wichtiger Marker für Hypoxie und metabolische Azidose. 

Was passiert bei Sauerstoffmangel unter der Geburt?

Bekommt das Kind unter der Geburt nicht genug Sauerstoff über die Nabelschnur, kann es seinen Energiebedarf nicht mehr vollständig über den normalen, sauerstoffabhängigen Stoffwechsel decken. Der Organismus wechselt dann zunehmend in den anaeroben Stoffwechsel. Dabei entsteht vermehrt Laktat, gleichzeitig steigt die Konzentration von Wasserstoffionen, und der pH-Wert fällt ab. Das Ergebnis ist eine metabolische Azidose.

Das ist medizinisch hochrelevant. Denn eine kurze Belastung kann noch kompensiert werden. Hält die Unterversorgung aber an, kann es zu einer Schädigung empfindlicher Organe kommen, insbesondere des Gehirns. Niedrige pH-Werte, ein auffälliger Base Excess und erhöhte Laktatwerte sind deshalb Warnzeichen dafür, dass das Kind unter der Geburt möglicherweise über einen relevanten Zeitraum nicht ausreichend oxygeniert war.

APGAR-Werte Geburt: wichtig, aber nicht genug

Der APGAR-Wert ist ein wichtiges Instrument zur ersten Einschätzung des Zustands eines Neugeborenen direkt nach der Geburt, jedoch nur eingeschränkt aussagekräftig. Er basiert auf klinischen Beobachtungen wie Atmung, Hautfarbe und Muskeltonus und ist daher immer auch von der subjektiven Einschätzung des medizinischen Personals abhängig. Zudem beschreibt der APGAR-Score lediglich den Momentzustand unmittelbar nach der Geburt und erlaubt keine verlässlichen Rückschlüsse auf das langfristige gesundheitliche Outcome des Kindes. Ein niedriger Wert bedeutet nicht zwangsläufig bleibende Schäden, während umgekehrt auch unauffällige APGAR-Werte spätere Beeinträchtigungen nicht ausschließen. Deshalb ist der APGAR-Score insbesondere bei Verdacht auf einen Geburtsschaden nur im Zusammenhang mit objektiven Befunden – wie der Blutgasanalyse – medizinisch und rechtlich aussagekräftig.

Für die Beurteilung eines möglichen Geburtsschadens gilt daher:

  • APGAR zeigt, wie das Kind klinisch aussieht.
  • Blutgasanalyse zeigt objektiv, wie der Stoffwechselzustand bei Geburt war.

Deshalb müssen APGAR-Werte, Reanimationsbedarf, CTG-Verlauf und Nabelschnurblutwerte immer gemeinsam betrachtet werden.

Sollte man als Eltern bei Verdacht auf einen Geburtsschaden die Wert der Blutgasanalyse überprüfen?

Für Eltern, die sich fragen, ob bei der Geburt möglicherweise ein Geburtsschaden eingetreten ist, lohnt sich häufig ein genauer Blick in die Blutgasanalyse, insbesondere auf den pH-Wert, den Base Excess und den Laktatwert. Diese Werte geben objektiv Auskunft darüber, ob das Kind unter der Geburt ausreichend mit Sauerstoff versorgt war oder ob Hinweise auf eine Übersäuerung und damit auf eine mögliche Sauerstoffunterversorgung bestehen. Während äußere Eindrücke oder auch der APGAR-Wert täuschen können, liefern die Blutgaswerte eine verlässliche medizinische Grundlage, um den Zustand des Kindes zum Zeitpunkt der Geburt besser einschätzen zu können. Gerade deshalb sind sie in vielen Fällen ein wichtiger erster Anhaltspunkt – sowohl für die medizinische Bewertung als auch für die rechtliche Einordnung eines möglichen Behandlungsfehlers.

Welche Rolle spielt die Blutgasanalyse bei Geburtsschäden?

In der Praxis geht es bei möglichen Behandlungsfehlern rund um die Geburt meist nicht darum, dass die Blutgasanalyse überhaupt nicht durchgeführt wurde, sondern vielmehr darum, was die erhobenen Werte aussagen. Auffällige Befunde – insbesondere ein erniedrigter pH-Wert, ein negativer Base Excess oder erhöhte Laktatwerte – können deutliche Hinweise darauf geben, dass das Kind unter der Geburt nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt war.

Gerade solche Konstellationen werfen häufig die Frage auf, ob es zuvor zu Fehlern im Geburtsmanagement gekommen ist, etwa durch:

Die Blutgasanalyse wird damit zu einem zentralen Anknüpfungspunkt: Sie liefert objektive Hinweise darauf, ob und wann eine kritische Sauerstoffunterversorgung eingetreten ist. In der rechtlichen Bewertung geht es dann darum, ob auf entsprechende Warnzeichen rechtzeitig und fachgerecht reagiert wurde.

Fazit: Blutgaswerte entscheidende Beweise bei Verdacht auf einen Geburtsschaden

Die Blutgasanalyse nach der Geburt ist weit mehr als ein Laborwert auf Papier. Sie ist oft der objektivste Hinweis darauf, ob ein Kind unter der Geburt ausreichend mit Sauerstoff versorgt war. Besonders wichtig sind der arterielle pH-Wert, der venöse pH-Wert, der Base Excess und der Laktatwert. Reduzierte pH-Werte, ein pathologischer Base Excess und erhöhte Laktatwerte können darauf hinweisen, dass das Kind wegen unzureichender Sauerstoffversorgung über die Nabelschnur in den anaeroben Stoffwechsel wechseln musste.

Für die medizinische und rechtliche Bewertung gilt: APGAR-Werte bei der Geburt sind wichtig, aber sie ersetzen die Blutgasanalyse nicht. Gerade bei auffälligem Zustand des Neugeborenen ist die Nabelschnurblutdiagnostik leitliniengestützt von zentraler Bedeutung.

Bei BROCKS Medizinrecht sind wir genau auf Fälle bei schweren Sauerstoffunterversorgungen des Kindes spezialisiert und unterstützen Sie engagiert bei der Durchsetzung Ihrer Rechte.

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FAQ: Die wichtigsten Fragen zur Blutgasanalysye nach der Geburt

Ja, nach jeder Geburt soll eine Blutgasanalyse durchgeführt werden.

Der arterielle Wert bildet den kindlichen Stoffwechsel unmittelbar vor der Geburt genauer ab. Der venöse Wert bleibt trotzdem wichtig, weil beide Proben zusammen die Einordnung absichern.

Ein negativer Base Excess zeigt eine metabolische Übersäuerung an. Je ausgeprägter diese ist, desto eher spricht sie für eine relevante Belastung durch Sauerstoffmangel.

Laktat steigt an, wenn das Kind wegen Sauerstoffmangels in den anaeroben Stoffwechsel wechselt. Deshalb ist es ein wichtiger Marker für Hypoxie und metabolische Azidose.

Nein, der APGAR-Score allein beweist keine Asphyxie und keinen Behandlungsfehler. Entscheidend ist die Gesamtschau aus klinischem Verlauf, CTG, Reanimation und Blutgasanalyse.

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